Šejla Kamerić

Werk

Behind The Scenes I
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Fotografie, 2019

Auf dieser Fotografie zeigt sich die Künstlerin als unschuldiger Teenager, in Designermode gekleidet und auf ein Maschinengewehr tretend. Das Foto wurde 1994 auf den Straßen von Sarajevo während der Belagerung für ein italienisches Modemagazin aufgenommen. Die Künstlerin hat dieses Foto nach Jahren wiederentdeckt und gewährt einen intimen Blick in ihre Vergangenheit, die sie so beschreibt: »Dieses Foto wurde während der härtesten und brutalsten Zeit meines Lebens aufgenommen. Doch das Bild zeigt etwas anderes. Ich frage mich, was genau wir sehen und sehen möchten in der Masse an Bildern, die uns täglich in den Nachrichten auferlegt wird.«

Foto: Lutz Knospe

Embarazada
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Fotografie, 2015

Auf dem Bild inszeniert die Künstlerin sich selbst als hochschwangeres Modell mit dem Gesicht eines Pierrot. Die Figur ent­wickelt sich seit dem 17. Jahrhundert aus dem Rollenrepertoire der Commedia dell’Arte und steht für einen naiven, melancholischen und bemitleidenswerten Diener. Mit ihrer Fotografie bietet Šejla Kamerić eine Alternative zu den klassischen Repräsentationen des weiblichen Körpers an und wirft Fragen nach den Darstellungsformen und Zwängen von Mutterschaft auf.

Foto: Lutz Knospe

Bosnian Girl
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Installation / Fotografie, 2003

Für die als öffentliches Projekt angelegte Fotografie inszeniert Šejla Kamerić sich selbst in Anlehnung an Fotografien in Modemagazinen. Ein handgeschriebener Schriftzug erstreckt sich über ihr Bild: »No teeth ...? A mustache ...? Smel like shit ...? Bosnian Girl!« (sic!) Dabei handelt es sich um Worte, die ein niederländischer Soldat 1994/95 an der Wand einer Kaserne in Potočari bei Srebrenica hinterließ. Bosnian Girl erinnert an den Völkermord von Srebrenica, der trotz der Anwesenheit der UN-Schutztruppen (UNPROFOR) nicht unterbunden wurde.

Foto: Lutz Knospe

Šejla Kamerić, geboren 1976, wohnhaft zwischen Sarajevo und Berlin. Ihre Werke sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, sowie Sammlungen vertreten: Tate Modern, Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, Vehbi Koç Foundation. Sie erhielt den ECF Routes Princess Margriet Award for Cultural Diversity (2011) und DAAD-Berlin Artist Residency Fellowship (2007).