Mehtap Baydu

Werk

Atem
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Performance, 2019

Die Oranienstraße in Kreuzberg, der vielleicht internationalste Kiez Berlins, ist von der Gentrifizierung genauso geprägt wie von den Kämpfen dagegen. Hochpreisige
Immobilien-Investmentprojekte treffen hier unmittelbar auf Mikroökonomien von Einwanderer*innen, Männercafés koexistieren (noch) mit queeren Bars und hippen
Galerien. Mehtap Baydu aber widmet sich in diesem einzigartigen diversen Mikrokosmos den Linien internationaler Konflikte, die sich hier spiegeln und den Nachrichten
von diesen, die uns den Atem nehmen. In einer 15-tägigen Performance zeigt Mehtap Baydu die Verengung des Raumes und fragt darin nach der Positionierung des Körpers.

Dêrık
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Videoinstallation, 2018

Baydu nimmt traditionelle kurdische Klagegesänge auf, die als privates, persönliches Ritual durch mündliche Überlieferung Frauen vorbehalten sind. Die Künstlerin zeigt jede Darbietung in einem Setting, das für die jeweilige Frau einen intimen Raum darstellt: Ein Wohnzimmer, eine Küche oder ein Garten wird zur Plattform für ihre improvisierten Texte aus persönlichen, kritischen und satirischen Anekdoten über ihren Alltag, menschliche Beziehungen, Natur, Land, Zugehörigkeit und lokale Politik.

Cuma
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Wandteppich, 2016

Baydus Teppich zeigt Betende beim Freitagsgebet in der historischen Haci Bayram Moschee in Ankara, deren Besuch ausschließlich Männern vorbehalten ist. Die Künstlerin wählte das traditionelle Handwerk des Teppichknüpfens, um die Szenerie zu visualisieren und Fragen zur Exklusion von Frauen, kulturellen Codes und Geschlechterrollen aufzuwerfen.

Mehtap Baydu, geboren 1972, lebt und arbeitet in Berlin. Baydus Werke wurden in unterschiedlichen Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. im Arter, Istanbul (2019), im Künstlerhaus, Stuttgart (2014) und in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel (2009), ausgestellt. Teilnahme am 3. Berliner Herbstsalon.