Danica Dakić

Werk

Zenica Triology

Die Stadt Zenica, einst ein aufstrebendes Zentrum der Industrialisierung im sozialistischen Jugoslawien, war auch architektonisch Musterbeispiel einer modernen Großstadt. Seit dem Bosnienkrieg erlebt sie mit Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit und kollektiver Resignation die Schattenseiten der Moderne. Die Arbeit geht den Utopien der Stadt nach – und den Erzählungen und Träumen, die Menschen im heutigen Zenica damit verbinden.

Zenica Mapa
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Installation, 2019

Zenica Mapa ergänzt und vertieft die Themen der Zenica Trilogie. Unter anderem sind hier Zeichnungen von Walter Gropius’ nie realisiertem Totaltheater mit Plänen des Bosnischen Nationaltheaters in Zenica verwoben. Gemeinsam mit Erwin Piscator entwarf Walter Gropius in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts ein Konzept für ein technisch fortschittliches Theater, das die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum überwinden sollte.

The Building
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Video, 2019

Danica Dakić porträtiert das Bosnische Nationaltheater in Zenica. Aufnahmen der rotierenden Drehbühne wechseln sich ab mit Sequenzen, die die Außenarchitektur des Theaters zeigen. Im Hintergrund erzählt Zoran Glogovac, technischer Leiter des Theaters, von der Geschichte des Gebäudes.

The Stage
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Video, 2019

Im Film sieht man eine rennende junge Frau. Gefangen in einer Endlosschleife, nähert sie sich immer wieder einem Zustand völliger Erschöpfung, dennoch rennt sie weiter. Doch sie kommt nicht von der Stelle, denn sie läuft gegen die Bewegung der Drehbühne. Es handelt sich um die große Bühne des Bosnischen Nationaltheaters in Zenica. Dakićs Arbeit dreht sich um das Verhältnis von physischer Existenz und Rolle, von Zuschauer*in und Darstellerin, von Individuum und Gesellschaft.

Foto: Lutz Knospe

Sirotanovićka
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Objekt, 2019

Benannt nach dem »Helden der Arbeit« des sozialistischen Jugoslawiens, dem Bergarbeiter Alija Sirotanović, speist sich Danica Dakićs Arbeit aus zwei Legenden. Als Präsident Tito Sirotanović fragte, was er sich als Belohnung für seine Planübererfüllung wünsche, habe dieser geantwortet: »Eine größere Schaufel«. Arbeiter der Breza-Mine erzählten, Sirotanović habe eine seiner Kolleginnen aufgefordert, sich in den Schnee zu setzen, um den entstehenden Abdruck als Negativform für ein eigenes Schaufelmodell zu nutzen. Die Arbeiter schenkten der Künstlerin eine solche Schaufel, eine Sirotanovićka, die Dakić vergolden ließ.

Courtesy the artist
Foto: Lutz Knospe

Jelica Dakić by Danica Dakić
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Fotografie, 2012

Die Fotografie zeigt ein Zimmer im unterirdischen Nuklearbunker des jugoslawischen Staatspräsidenten Tito in der Nähe von Konjic, welches Jovanka Broz, Titos Ehefrau, vorbehalten war. Im Rahmen einer Ausstellung ließ Danica Dakić dort eine Fotografie ihrer Mutter aus einem gemeisamen Urlaub anbringen. Der Satz an der Wand »Arbeit ist eine bewusste menschliche Tätigkeit« zitiert einen persönlichen Rat der Mutter, die eine marxistische Definition von Arbeit aufzugreifen meint, um der Tochter ein ökonomischeres Verhältnis von Arbeitsaufwand und Ergebnis zu empfehlen.

Foto: Lutz Knospe

Danica Dakić, geboren 1962, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Einzelausstellungen, u. a. im Lehmbruck Museum (2017), MMK (2013), im Hammer Museum (2011), sowie Gruppenausstellungen, u. a. documenta 12 (2007), Istanbul Biennale (2009), São Paulo Biennale (2014) und 58. Venedig Biennale (2019). Teilnahme am 1., 2. und 3. Berliner Herbstsalon.